Was ist Breathwork? Eine Einordnung

Atemfunktion

Was ist Breathwork? Eine Einordnung

← Blog· 5. Mai 2025· 7 Min. Lesezeit· Nils Hammann

Breathwork ist zu einem Sammelbegriff geworden, unter dem inzwischen sehr unterschiedliche Praktiken laufen: von kurzen Entspannungsübungen über Leistungssteigerung im Sport bis hin zu mehrstündigen, emotional intensiven Atemreisen. Wer den Begriff zum ersten Mal hört, hat meist keine klare Vorstellung, was ihn konkret erwartet.

Im Kern beschreibt Breathwork die bewusste, gezielte Steuerung der Atmung, um körperliche oder psychische Zustände zu verändern. Anders als beim normalen Atmen, das automatisch abläuft, wird hier Rhythmus, Tiefe oder Atemmuster aktiv gesteuert, mit einem klaren Ziel: Aktivierung, Beruhigung, Fokus oder tiefere emotionale Verarbeitung.

Die grobe Bandbreite

Am einen Ende des Spektrums stehen kurze, funktionale Techniken wie Box Breathing oder die 4-7-8-Atmung, die man in wenigen Minuten lernt und im Alltag einsetzt, etwa vor einer Präsentation oder beim Einschlafen. Diese Techniken wirken hauptsächlich über das autonome Nervensystem und sind gut erforscht.

Am anderen Ende steht das, was oft als transformative oder verbundene Atemarbeit bezeichnet wird: längere Sessions mit einem durchgehenden, verbundenen Atemrhythmus ohne Pause zwischen Ein- und Ausatmung. Diese Form kann intensive körperliche Empfindungen und emotionale Prozesse auslösen und braucht deutlich mehr Vorbereitung, Kontext und eine geschulte Begleitung. Mehr dazu im Artikel Was ist transformative Atemarbeit?.

Einordnung zu bekannten Methoden

Wer sich mit dem Thema beschäftigt, stößt schnell auf verwandte, oft parallel entstandene Ansätze und ihre bekanntesten Vertreter. Die Wim-Hof-Methode kombiniert eine kraftvolle Atemtechnik mit Kälteexposition und ist vor allem für ihre aktivierende, leistungsorientierte Ausrichtung bekannt. Auf der funktionalen, eher medizinisch geprägten Seite steht die bereits erwähnte Buteyko-Methode, die durch Patrick McKeown und sein Oxygen-Advantage-Konzept international verbreitet wurde. Am transformativen Ende des Spektrums stehen Ansätze wie das Holotropic Breathwork von Stanislav Grof oder das Rebirthing von Leonard Orr, die beide in den 1970er-Jahren entstanden sind und bis heute die Grundlage vieler moderner Formen verbundener Atemarbeit bilden, mehr dazu im Artikel Verbundenes Atmen. Pranayama wiederum bezeichnet die traditionellen Atemtechniken aus dem Yoga, aus denen viele heutige Übungen wie Wechselatmung ursprünglich stammen.

In meiner eigenen Arbeit orientiere ich mich an mehreren dieser Traditionen, ohne mich auf eine einzelne festzulegen. Jede bringt eigene Stärken mit, und die Kunst liegt darin, für die jeweilige Person und Situation die passende Technik auszuwählen, statt eine einzelne Methode als Allheilmittel zu verkaufen.

Was die Wissenschaft dazu sagt

Für die funktionalen, kurzen Techniken gibt es solide Forschung zu Effekten auf Herzratenvariabilität, Stresshormone und subjektives Stressempfinden. Auch für aktivierende Formen wie die Wim-Hof-Methode existieren inzwischen kontrollierte Studien, unter anderem zu Effekten auf das Immunsystem1. Für die intensiveren, längeren Formen der Atemarbeit ist die Forschungslage insgesamt jünger und kleinteiliger, wächst aber. Seriöse Anbieter kommunizieren diesen Unterschied offen, statt alle Effekte pauschal als "wissenschaftlich bewiesen" zu verkaufen.

Für wen eignet sich was

Wer punktuelle Stressregulation im Alltag sucht, kommt oft schon mit den kurzen Techniken sehr weit. Wer tiefer an emotionalen Mustern, altem Stress oder körperlich gespeicherten Themen arbeiten möchte, findet in den intensiveren Formen der Atemarbeit einen Zugang, der über reine Entspannung hinausgeht. Beide Wege haben ihre Berechtigung, und viele Menschen nutzen im Alltag die kurzen Techniken, während sie punktuell tiefere Sessions in Anspruch nehmen.

Wenn du herausfinden willst, welcher Zugang für dich passt, ist eine Einzelsession ein guter Ausgangspunkt, oder du schaust dir die kommenden Events an.

Nächster Schritt

Theorie ist gut. Erleben ist besser.

Wenn du spüren willst, was du gerade gelesen hast: im kostenlosen Live-Webinar zeige ich dir die drei Säulen der Atemarbeit direkt zum Mitmachen.