Buteyko-Atmung: Die Methode hinter dem weniger Atmen

Atemfunktion

Buteyko-Atmung: Die Methode hinter dem weniger Atmen

← Blog· Atemfunktion· 29. Mai 2026· 8 Min. Lesezeit· Nils Hammann

Die Buteyko-Atmung geht auf den ukrainischen Arzt Konstantin Buteyko zurück, der in den 1950er-Jahren beobachtete, dass viele seiner Patienten mit Asthma und anderen Atemwegsbeschwerden auffällig schnell und tief atmeten, auch in Ruhe. Seine These: Nicht zu wenig, sondern chronisch zu viel Atmung ist bei vielen modernen Beschwerden ein zentraler, oft übersehener Faktor.

Das Grundprinzip

Buteyko-Atmung zielt darauf ab, das Atemvolumen schrittweise zu reduzieren und dabei die Toleranz gegenüber einem leichten, angenehmen Lufthunger aufzubauen. Das ist etwas anderes als klassisches "tiefes Durchatmen", das viele Menschen intuitiv als gesund empfinden. Der Gedanke dahinter: Wer chronisch zu viel atmet, atmet zu viel CO2 ab, was die Sauerstoffabgabe ans Gewebe erschwert. Mehr zum zugrunde liegenden Mechanismus im Artikel Warum weniger Atmen mehr ist.

Die Grundübung: Reduzierte Atmung

Setz dich aufrecht und entspannt hin. Atme ruhig und normal durch die Nase, dann reduziere bewusst die Menge der Luft, die du ein- und ausatmest, sodass ein leichtes, tolerierbares Gefühl von Lufthunger entsteht, ein Gefühl, als würdest du gern etwas mehr atmen. Wichtig dabei: keine Muskeln anspannen, keine Atempausen erzwingen, nur sanfter, leiser und ruhiger atmen als gewohnt. Halte das für 3 bis 5 Minuten, in mehreren Durchgängen über den Tag verteilt.

Die Kontrollpause als Messwert

Buteyko-Praktiker nutzen eine einfache Messung, die Kontrollpause: normal einatmen, normal ausatmen, die Nase zuhalten und die Sekunden bis zum ersten deutlichen Atemreiz zählen, dann wieder normal einatmen. Dieser Wert gilt als grober Indikator für die aktuelle CO2-Toleranz. Wichtig ist dabei, nur bis zum ersten Atemreiz zu zählen, nicht so lange wie maximal möglich, sonst verfälscht sich der Wert. Am aussagekräftigsten ist die Messung morgens direkt nach dem Aufwachen.

Wofür Buteyko-Atmung ursprünglich entwickelt wurde

Die Methode wurde ursprünglich vor allem im Zusammenhang mit Asthma und anderen Atemwegsbeschwerden eingesetzt und dafür in mehreren randomisierten Studien untersucht, unter anderem zur Reduktion von Symptomen und Bedarfsmedikation1. International bekannt wurde sie in den letzten zwei Jahrzehnten vor allem durch den irischen Atemtrainer Patrick McKeown, der die Grundprinzipien in seinem Oxygen-Advantage-Konzept weiterentwickelt und zugänglicher gemacht hat. Sie wird heute darüber hinaus auch zur allgemeinen Stressregulation und CO2-Toleranz-Verbesserung genutzt, außerhalb des ursprünglichen medizinischen Kontexts.

Wer an Asthma oder anderen diagnostizierten Atemwegserkrankungen leidet, sollte die Anwendung ärztlich abklären. Für alle anderen ist sie eine gut zugängliche Basisübung, die sich mit dem Training der CO2-Toleranz und der Nasenatmung ideal ergänzt. Wenn du deine eigene Atmung strukturiert verbessern willst, ist eine Einzelsession ein guter Ausgangspunkt.

Quelle

1. Bowler, S. D. et al. (1998): Buteyko breathing techniques in asthma: a blinded randomised controlled trial, Medical Journal of Australia.

Häufige Fragen

Was ist die Buteyko-Methode?

Sie geht auf den ukrainischen Arzt Konstantin Buteyko zurück, der in den 1950er-Jahren beobachtete, dass viele seiner Patienten mit Atemwegsbeschwerden auffällig schnell und tief atmeten, auch in Ruhe. Seine These: Nicht zu wenig, sondern chronisch zu viel Atmung ist bei vielen modernen Beschwerden ein zentraler, oft übersehener Faktor.

Was ist das Grundprinzip?

Das Atemvolumen schrittweise zu reduzieren und dabei die Toleranz gegenüber einem leichten, angenehmen Lufthunger aufzubauen. Das ist etwas anderes als klassisches tiefes Durchatmen, das viele intuitiv als gesund empfinden.

Warum soll weniger Atmen besser sein?

Wer chronisch zu viel atmet, atmet zu viel CO2 ab. Da CO2 die Sauerstoffabgabe ans Gewebe steuert, erschwert das die Versorgung, obwohl mehr Luft bewegt wird.

Dieser Artikel ordnet allgemein verfügbares Wissen ein und ersetzt keine individuelle ärztliche oder therapeutische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder vor Beginn einer neuen Atempraxis sprich im Zweifel mit deinem Arzt/deiner Ärztin oder deinem Therapeuten/deiner Therapeutin.

Nils Hammann

Über den Autor

Nils Hammann

Breathwork-Coach aus Bielefeld. Zeigt dir, wie dein Atem wirklich funktioniert – und wie du ihn gezielt einsetzt.

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