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Buteyko-Atmung: Warum weniger Luft oft mehr Gesundheit bedeutet

Fundament

Buteyko-Atmung: Warum weniger Luft oft mehr Gesundheit bedeutet

Nils Hammann· 29. Mai 2026· 11 Min.

Stell dir vor, du hast ständigen Hunger, isst den ganzen Tag riesige Portionen, fühlst dich aber trotzdem permanent schlapp und unterernährt. Klingt paradox? Beim Thema Atmen machen die meisten Menschen genau diesen Fehler.

Sie atmen tief, viel und durch den Mund, weil sie glauben, ihrem Körper damit etwas Gutes zu tun.

Die Buteyko-Methode geht genau den entgegengesetzten Weg. Entwickelt von einem ukrainisch-sowjetischen Arzt zeigt diese Methode seit Jahrzehnten: Nicht mehr Atmen bringt den Körper zur Ruhe, sondern die Kunst, wieder weniger zu atmen.

Die Entdeckung eines Arztes: Wer war Konstantin Buteyko?

In den 1950er-Jahren machte der Arzt Dr. Konstantin Buteyko an einer Moskauer Klinik eine bahnbrechende Beobachtung. Ihm fiel auf, dass sich der Atem von schwer kranken Patienten kurz vor der Verschlechterung ihres Zustands drastisch veränderte: Sie atmeten schneller, schwerer und vermehrt durch den Mund.

Buteyko stellte sich eine radikale Frage: Ist das schwere Atmen nur ein Symptom der Krankheit oder ist es am Ende sogar die Ursache?

Er begann, sein eigenes Atemvolumen bewusst zu reduzieren, und beschrieb später, dass sich sein Befinden dabei deutlich veränderte. Daraus entwickelte er eine systematische Methode zur Atemumstellung, die heute weltweit von Therapeuten und Sportlern genutzt wird.

Die unterschätzte Volkskrankheit: Chronische Hyperventilation

Die wenigsten Menschen hyperventilieren so dramatisch, wie man es aus Filmen kennt (mit der Papiertüte vor dem Gesicht). Viel gefährlicher ist die leise, chronische Hyperventilation im Alltag.

Durch Dauerstress, langes Sitzen und Mundatmung haben sich viele von uns angewöhnt, pro Minute doppelt so viel Luft durch die Lunge zu schleusen wie biologisch notwendig.

Was dabei im Körper passiert, kennst du bereits aus dem Artikel über die Atemfunktion und den Bohr-Effekt:

  • Wer zu viel atmet, pustet kontinuierlich wertvolles Kohlendioxid (CO2) aus dem Blut.
  • Fällt der CO2-Spiegel, zieht sich das Blutgefäßsystem zusammen.
  • Das Sauerstoff-Taxi behält seine Türen verschlossen, und deine Muskeln sowie dein Gehirn bekommen trotz voller Lungen weniger Sauerstoff.

Die Kontrollpause: Wie fit ist deine Atmung wirklich?

Um deinen eigenen Atemstatus zu messen, erfand Dr. Buteyko die sogenannte Kontrollpause (Control Pause / CP). Sie zeigt dir, wie empfindlich dein Gehirn auf den CO2-Spiegel reagiert:

  1. Setze dich aufrecht hin und atme etwa zwei Minuten ganz normal und entspannt durch die Nase.
  2. Atme sanft durch die Nase ein und ganz normal durch die Nase wieder aus.
  3. Halte dir nach der Ausatmung die Nase zu und starte eine Stoppuhr.
  4. Stoppe die Zeit beim ersten zarten Impuls deines Körpers, wieder atmen zu wollen (zum Beispiel einem leichten Zucken im Hals oder Bauch).

Wichtig: Es geht nicht darum, die Luft krampfhaft anzuhalten! Wenn du nach dem Test nach Luft schnappen musst, hast du zu lange gewartet.

  • Unter 10 Sekunden: Dein Körper meldet sich sehr früh. Beginne ganz sanft, ohne die Luft bewusst anzuhalten.
  • 10 bis 19 Sekunden: Hier liegen sehr viele Menschen, mit viel Raum für einen ruhigeren Atem.
  • 20 bis 39 Sekunden: Eine solide, ausgewogene Basis.
  • Ab 40 Sekunden: Ein sehr ruhiger Bereich. Aussagekräftiger als die Zahl ist, wie sich dein eigener Wert über die Wochen entwickelt.

In der Schwangerschaft, bei Epilepsie und bei unbehandeltem Bluthochdruck lässt du die Atempausen weg und atmest im selben Rhythmus ruhig weiter.

Das Grundprinzip: Sanft weniger atmen lernen

Das Ziel der Buteyko-Methode ist so einfach wie wirkungsvoll: Du trainierst deinen Körper schrittweise darauf, höhere CO2-Werte zu tolerieren.

Die drei Grundpfeiler der Methode sind:

  1. Konsequente Nasenatmung: Tag und Nacht wird ausschließlich durch die Nase geatmet. Sie bremst das Atemvolumen ganz natürlich ab, wie du auch im Artikel Richtig atmen beim Laufen nachlesen kannst.
  2. Den Lufthunger spüren: In gezielten Übungen reduzierst du deine Atmung so weit, dass ein leichtes, angenehmes Gefühl von Lufthunger entsteht. Du signalisierst deinem Gehirn damit, dass dieser CO2-Wert vollkommen sicher ist.
  3. Ausatmung verlängern: Über eine ruhige, entspannte Ausatmung aktivierst du deinen Parasympathikus und beruhigst dein gesamtes Nervensystem, siehe Sympathikus und Parasympathikus.

Theorie ist gut. Erleben ist besser.

Die Buteyko-Methode ist kein kurzfristiger Trend, sondern eine Rückkehr zu unserer natürlichen Biochemie. Was sich verändert und wie schnell, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Buteyko ist ein Weg von mehreren.

Buteyko ist ein Weg von mehreren. Welche es noch gibt und wann welcher passt, zeige ich dir im kostenfreien Webinar Breathwork Basics.

Dieser Artikel ordnet allgemein verfügbares Wissen ein und ersetzt keine individuelle ärztliche oder therapeutische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder vor Beginn einer neuen Atempraxis sprich im Zweifel mit deinem Arzt/deiner Ärztin oder deinem Therapeuten/deiner Therapeutin.

Quellen

McHugh, P. et al. (2003): Buteyko breathing technique for asthma: an effective intervention, The New Zealand Medical Journal 116(1187):U710.

Cowie, R. L. et al. (2008): A randomised controlled trial of the Buteyko technique as an adjunct to conventional management of asthma, Respiratory Medicine 102(5):726 bis 732.

Häufige Fragen

Ist die Buteyko-Methode gefährlich?

Nein. Das Ziel ist niemals das krampfhafte Luftanhalten bis zur Erschöpfung, sondern ein sanftes Verringern des Atemvolumens in absoluter Entspannung. Bei Schwangerschaft, schweren Herzerkrankungen oder Epilepsie sollte das Training jedoch nur unter fachkundiger Anleitung erfolgen.

Warum hilft Buteyko bei verstopfter Nase?

Eine verstopfte Nase ist oft die Schutzreaktion deines Körpers auf zu viel Abatmen von CO2. Wenn du gezielt weniger atmest und die CO2-Toleranz steigst, weiten sich die Gefäße in den Nasenschleimhäuten und die Nase wird wieder frei.

Wie lange dauert es, bis die Kontrollpause steigt?

Bei täglicher, kurzer Praxis von etwa 10 bis 15 Minuten steigert sich die Kontrollpause bei den meisten Menschen innerhalb von 2 bis 4 Wochen spürbar.

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Nils Hammann

Über den Autor

Nils Hammann

Breathwork-Coach aus Bielefeld. Zeigt dir, wie dein Atem wirklich funktioniert und wie du ihn gezielt einsetzt.

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Theorie ist gut. Erleben ist besser.

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