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Was passiert bei einer Atemreise? Der Ablauf einer Breathwork Session erklärt

Tiefe

Was passiert bei einer Atemreise? Der Ablauf einer Breathwork Session erklärt

Nils Hammann· 8. Februar 2026· 6 Min.

Eine Atemreise ist weit mehr als nur tiefes Einatmen und Ausatmen. Es ist ein strukturierter Prozess, der dich aus dem Alltagsverstand direkt in die tiefe Weisheit deines Körpers führt. Viele Menschen fragen sich vor ihrer ersten Session ganz berechtigt, wie genau ein solches Erlebnis abläuft und was sie auf der Matte erwartet.

Diese anfängliche Ungewissheit ist völlig normal. Wenn du den groben Fahrplan kennst, kann sich dein Nervensystem viel leichter auf diese intensive Erfahrung einlassen. Jeder Atemzug bringt dich näher zu dir selbst. Schauen wir uns an, welche Stationen du dabei durchläufst.

Die Vorbereitung: Das Setting und deine Intention

Jede seriöse Breathwork Session beginnt lange bevor du deine Augen schließt. Ein sicherer und professionell gehaltener Raum ist das absolute Fundament für transformative Atemarbeit. In einem ausführlichen Vorgespräch erklärt dir deine Atembegleitung die Technik des zirkulären Atmens präzise. Zudem werden mögliche gesundheitliche Einschränkungen besprochen, damit du gut vorbereitet in die Session gehst.

Danach hast du die Möglichkeit, eine bewusste Intention für deine Reise zu setzen. Diese Intention dient als eine sanfte Einladung an dein System. Gleichzeitig übst du dich hier bereits in der Hingabe, denn letztendlich entscheidet der Atem selbst, wohin der Weg führt. Dein Körper besitzt eine tiefe eigene Intelligenz und bringt genau das an die Oberfläche, was in diesem Moment wirklich wichtig für dich ist. Dein Verstand darf seine Pläne also getrost an der Tür abgeben.

Individuelle Stile: Somatische Vorbereitung und der gemeinsame Kern

Oft werde ich gefragt, wie genau der Ablauf im Detail aussieht. Die Wahrheit ist: Jede/r Breathworker/in hat den ganz eigenen Stil. Manche Begleiter/innen arbeiten viel mit Klangschalen, andere nutzen energetische Körperarbeit oder bestimmte Coachingelemente zur Vorbereitung.

Ich persönlich füge vor dem eigentlichen Atmen sehr gerne eine somatische Mobilisation ein. Wir legen uns in meinen Sessions nicht direkt starr auf die Matte. Durch sanfte Bewegung wecken wir das Gewebe auf und spüren tief in den Körper hinein. Dabei öffnen wir ganz gezielt genau die Bereiche, in denen sich alte Spannungen lagern, und weiten deine Atemräume. Diese bewusste Körpervorbereitung signalisiert dem System absolute Sicherheit, noch bevor der tiefe Atemprozess beginnt.

Auch wenn jede/r Breathworker/in eine eigene Handschrift trägt, haben alle guten Sessions am Ende eines gemeinsam: Sie erschaffen einen geschützten, wertungsfreien Raum für dich. Eine klare Einordnung der Prozesse vorab, volle Präsenz der Raumhaltenden im Raum und der Respekt vor deinem individuellen Tempo bilden immer das gemeinsame Fundament, auf dem du vertrauensvoll loslassen kannst.

Der aktive Atemprozess: Wenn die Reise beginnt

Nach der Vorbereitung und dem Ankommen im Körper machst du es dir auf deiner Matte bequem. Oft begleiten speziell abgestimmte Musiksets den Prozess, um dich emotional zu tragen. Nun startest du mit dem verbundenen Atem. Du atmest aktiv und tief ohne Pause zwischen der Einatmung und der Ausatmung.

Durch dieses bewusste Überatmen verändert sich deine Physiologie. Der präfrontale Kortex als Sitz deines rationalen Denkens und deiner inneren Kontrolle wird leiser. Du tauchst in einen veränderten Bewusstseinszustand ein, in dem alte Blockaden und tief verankerte Gefühle an die Oberfläche kommen dürfen.

Körperliche und emotionale Reaktionen: Was du spüren kannst

Während der aktiven Phase reagiert jeder Körper völlig individuell. Oft spüren Teilnehmende ein intensives Kribbeln, sprunghafte Temperaturwechsel oder ein leichtes Zusammenziehen der Hände. Auch das Lösen von alter Überlebensenergie ist typisch. Wie das biologisch abläuft, kannst du im Artikel über das Lösen von Emotionen im Körper detailliert nachlesen.

Wichtig ist: Du bist all diesen Empfindungen niemals ausgeliefert. Deine Atembegleitung hält den sicheren Container für dich. Du kannst den Atemrhythmus jederzeit weicher werden lassen, um die Intensität eigenständig zu regulieren.

Die Integrationsphase: Landen, Austauschen und Nachspüren

Nach einer aktiven Atemphase von meist dreißig Minuten bis zu einer vollen Stunde führt dich deine Atembegleitung sanft in die Ruhephase. Du kehrst zu deiner natürlichen Nasenatmung zurück. Dieser Teil der Session ist essenziell und darf niemals übersprungen werden. Dein Parasympathikus übernimmt nun wieder die volle Führung und dein Körper hat Zeit, die erlebten Prozesse in tiefer Stille zu verarbeiten.

Im Anschluss an diese liegende Integration folgt das sogenannte Sharing. In diesem gemeinsamen Raum hast du die Möglichkeit, das Erlebte auszusprechen oder einfach nur den Erfahrungen der anderen Teilnehmenden zuzuhören. Wenn dir die Worte fehlen, hilft es oft enorm, das Gesehene zu malen oder aufzuschreiben, um die inneren Bilder greifbar und sichtbar auszudrücken.

Die Reise endet jedoch nicht auf der Matte. In den Tagen danach beginnt deine ganz persönliche Integration für dich allein. Du kannst frei wählen, ob du aktiv oder passiv integrierst. Eine aktive Integration bedeutet, dass du deine Gedanken in einem Journal festhältst, kreativ wirst oder tiefgehende Gespräche führst. Bei der passiven Integration gibst du deinem System schlichtweg ganz viel Raum durch ausreichend Schlaf, Ruhepausen und ausgedehnte Spaziergänge in der Natur, damit der Körper alles von ganz allein einsortieren kann. Bei Bedarf begleite ich solche Phasen auch gerne mit einem gezielten Integrationsgespräch.

Theorie ist gut. Erleben ist besser.

Du kennst nun den Ablauf. Doch die wahre Magie einer Atemreise lässt sich nicht in geschriebene Worte fassen. Du musst sie selbst in dir fühlen. Du entscheidest in jedem Moment selbst, wie weit du gehst.

Du kennst jetzt den Ablauf. Die nächste Atemwunder Reise Online ist der Moment, in dem er für dich zur eigenen Erfahrung wird.

Dieser Artikel ordnet allgemein verfügbares Wissen ein und ersetzt keine individuelle ärztliche oder therapeutische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder vor Beginn einer neuen Atempraxis sprich im Zweifel mit deinem Arzt/deiner Ärztin oder deinem Therapeuten/deiner Therapeutin.

Quellen

Grof, S. (2010): Holotropic Breathwork: A New Approach to Self Exploration and Therapy, SUNY Press.

Bahi, C. et al. (2024): Effects of conscious connected breathing on cortical brain activity, mood and state of consciousness in healthy adults, Current Psychology 43:10578 bis 10589.

Häufige Fragen

Brauche ich Erfahrung für meine erste Atemreise?

Absolut nicht. Du musst nichts leisten oder vorher trainieren. Dein Atem begleitet dich seit deinem ersten Lebenstag. Eine erfahrene Atembegleitung führt dich sicher durch den gesamten Prozess, sodass du dich als Anfänger einfach hingeben kannst.

Wie fühle ich mich nach der Session?

Die meisten Menschen fühlen sich danach sehr geerdet, leicht und tief entspannt. Manchmal bist du vielleicht auch etwas müde oder nachdenklich, weil dein System intensiv gearbeitet hat. Nimm dir für die Stunden danach idealerweise nichts Anstrengendes mehr vor.

Ist eine Gruppensession oder eine Einzelsession besser für den Start?

Das hängt ganz von deinem persönlichen Empfinden ab. In einer Einzelsession erhältst du exklusive Aufmerksamkeit, was besonders bei tiefen emotionalen Themen sehr heilsam ist. Die gemeinsame Energie einer Gruppe kann dich jedoch zusätzlich tragen und das Erlebnis auf eine ganz eigene Art verstärken.

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Nils Hammann

Über den Autor

Nils Hammann

Breathwork-Coach aus Bielefeld. Begleitet Menschen behutsam durch tiefere Atemreisen und intensivere Prozesse.

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Theorie ist gut. Erleben ist besser.

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