Wechselatmung (Nadi Shodhana): Anleitung und Wirkung

Atemfunktion

Wechselatmung (Nadi Shodhana): Anleitung und Wirkung

← Blog· Atemfunktion· 10. Juni 2025· 6 Min. Lesezeit· Nils Hammann

Wechselatmung, im Yoga auch Nadi Shodhana genannt, gehört zu den ältesten dokumentierten Atemtechniken überhaupt. Der Grundgedanke ist einfach: Durch abwechselndes Ein- und Ausatmen über die beiden Nasenlöcher wird ein ruhiger, gleichmäßiger Atemrhythmus erzeugt, der Konzentration und innere Ruhe fördert.

Anleitung

Setz dich aufrecht und entspannt hin. Führe den Daumen der rechten Hand an das rechte Nasenloch, Ringfinger und kleiner Finger an das linke. Schließe das rechte Nasenloch mit dem Daumen und atme durch das linke Nasenloch vollständig aus, dann ein. Schließe nun das linke Nasenloch mit Ringfinger und kleinem Finger, öffne das rechte, und atme dort aus, dann ein. Das ist eine Runde. Wiederhole das für 5 bis 10 Minuten, in ruhigem, gleichmäßigem Tempo.

Für Einsteiger reicht es, ohne Zählung zu üben und einfach auf einen gleichmäßigen, entspannten Rhythmus zu achten. Fortgeschrittene können mit einer Zählung arbeiten, etwa 4 Sekunden ein, 4 Sekunden Pause, 4 Sekunden aus.

Was die Forschung zeigt

Eine systematische Übersichtsarbeit über 44 randomisierte Studien zu Wechselatmung findet konsistente Effekte auf Ruheherzfrequenz, Blutdruck und Herzratenvariabilität sowie Hinweise auf verbesserte Konzentration1. Wenngleich viele der einzelnen Studien noch mit kleinen Teilnehmerzahlen arbeiten, ist die Gesamtrichtung der Befunde damit deutlich: eine Verschiebung hin zu einem ruhigeren, parasympathisch geprägten Zustand nach regelmäßiger Übung.

Wann Wechselatmung besonders hilfreich ist

Wechselatmung eignet sich gut als ruhiger Einstieg vor einer Meditation, als Übergang zwischen einem stressigen Arbeitstag und dem Feierabend, oder als kurze mentale Pause zwischendurch. Wegen ihres beruhigenden Charakters ist sie weniger als Energie-Boost gedacht, sondern eher als Weg zurück in einen ausgeglichenen Zustand. Wer generell mehr über die Wirkung von Atmung auf das Nervensystem erfahren möchte, findet Hintergrund im Artikel Nervensystem regulieren.

Bei akut verstopfter Nase lässt sich die Übung schwer durchführen, hier lohnt es sich, auf eine andere Technik wie Box Breathing auszuweichen. Für eine persönliche Einführung und individuelle Anpassung ist eine Einzelsession hilfreich.

Quelle

1. Alternate nostril breathing: a systematic review of clinical trials, International Journal of Research in Medical Sciences.

Häufige Fragen

Wie geht Wechselatmung Schritt für Schritt?

Aufrecht und entspannt sitzen. Daumen der rechten Hand an das rechte Nasenloch, Ringfinger und kleiner Finger an das linke. Rechtes Nasenloch schließen, durch das linke vollständig ausatmen, dann einatmen. Dann linkes Nasenloch schließen, rechtes öffnen, dort ausatmen und einatmen. Das ist eine Runde.

Wie lange sollte man Wechselatmung üben?

Fünf bis zehn Minuten in ruhigem, gleichmäßigem Tempo. Für Einsteiger reicht es, ohne Zählung zu üben und einfach auf einen entspannten Rhythmus zu achten. Fortgeschrittene können mit einer Zählung arbeiten, etwa vier Sekunden ein, vier Sekunden Pause, vier Sekunden aus.

Was ist über die Wirkung von Nadi Shodhana bekannt?

Eine systematische Übersichtsarbeit über 44 randomisierte Studien findet konsistente Effekte auf Ruheherzfrequenz, Blutdruck und Herzratenvariabilität sowie Hinweise auf verbesserte Konzentration. Viele Einzelstudien arbeiten noch mit kleinen Teilnehmerzahlen, die Gesamtrichtung ist aber deutlich: eine Verschiebung hin zu einem ruhigeren, parasympathisch geprägten Zustand.

Dieser Artikel ordnet allgemein verfügbares Wissen ein und ersetzt keine individuelle ärztliche oder therapeutische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder vor Beginn einer neuen Atempraxis sprich im Zweifel mit deinem Arzt/deiner Ärztin oder deinem Therapeuten/deiner Therapeutin.

Nils Hammann

Über den Autor

Nils Hammann

Breathwork-Coach aus Bielefeld. Zeigt dir, wie dein Atem wirklich funktioniert – und wie du ihn gezielt einsetzt.

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