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Kapazitätsaufbau

Luft anhalten trainieren: So verlängerst du deine Atempausen Schritt für Schritt

Nils Hammann· 22. Oktober 2026· 4 Min.

Bild folgt: /images/blog/luft-anhalten-trainieren.jpg

Du hältst die Luft an und zählst still mit. Irgendwann zieht es in der Brust, der Hals wird eng, und alles in dir schreit danach, einzuatmen. Dieser Moment fühlt sich an wie das absolute Ende. Tatsächlich hat dein Körper zu diesem Zeitpunkt aber noch reichlich Sauerstoff.

Länger die Luft anzuhalten bedeutet in erster Linie: Gelassenheit gegenüber diesem intensiven Atemreiz zu trainieren. Mit zwei klaren Übungstabellen und ein paar Minuten an mehreren Tagen der Woche verlängern sich deine Pausen meist schon nach wenigen Wochen spürbar.

Der Atemreiz: Warum der Drang so früh kommt

Den Drang zu atmen steuert vor allem das Kohlendioxid. Während du die Luft anhältst, sammelt es sich im Blut, und Sensoren im Hirnstamm melden das sofort und sehr lautstark. Der Sauerstoff sinkt dagegen langsam, was dein Körper erst viel später bemerkt.

Genau darin liegt die Chance: Den frühen Fehlalarm kannst du wunderbar abtrainieren. Gefährlich wird es nur, wenn jemand das Kohlendioxid vorher künstlich senkt, etwa durch schnelles, tiefes Atmen (Hyperventilieren). Dann bleibt der Alarm aus, während der Sauerstoff gefährlich sinkt. Deshalb atmest du vor jeder Pause ganz normal, und deshalb gehören Atempausen niemals ins Wasser.

Die zwei Phasen einer langen Atempause

Wer die Luft länger anhält, durchläuft meist zwei Abschnitte. Die erste Phase ist ruhig und fühlt sich fast schwerelos an. In der zweiten beginnt das Zwerchfell zu zucken, ganz unwillkürlich und manchmal ziemlich kräftig. Freitaucher nennen das Kontraktionen.

Diese Zuckungen sind zunächst einmal nur ein Signal. Mit etwas Übung lernst du, sie zu beobachten. Für den Anfang gilt: Lass beim ersten Mal nur ein bis zwei Kontraktionen zu und beende die Pause dann ganz entspannt. Du musst nichts erzwingen. Bei längeren Pausen schaltet dein Körper ohnehin in einen schützenden Sparmodus, den Tauchreflex: Der Herzschlag wird langsamer, und das Blut sammelt sich im Rumpf.

Wichtig: Für wen diese Übungen nicht passen

Bist du schwanger, hast du Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Bluthochdruck, Epilepsie oder neigst du zu Panik, lass die langen Atempausen weg und atme stattdessen ruhig weiter. Alle Hinweise findest du unter Gegenanzeigen. Übe immer an Land, im Sitzen oder Liegen. Nie im Stehen und nie beim Autofahren.

Deine Bestzeit: Der Ausgangspunkt

Bevor du startest, misst du deine Bestzeit. Setz oder leg dich bequem hin, atme zwei Minuten ruhig durch die Nase. Dann atmest du normal ein, hältst die Nase zu und stoppst die Zeit. Höre auf, sobald du merkst, dass du nicht mehr entspannt bleiben kannst. Miss sie ausgeruht und nie direkt nach kraftvollen Atemrunden.

Dein Trainingsplan: CO2- und O2-Tabelle

Es gibt zwei Wege, dein System zu trainieren. Bei der CO2-Tabelle bleibt die Pause immer gleich lang (Hälfte deiner Bestzeit, max. 90 Sekunden), aber die Erholung dazwischen wird immer kürzer. So steigt das Kohlendioxid von Runde zu Runde.

Bei der O2-Tabelle bleibt die Erholung üppig bei zwei Minuten, aber die Atempause wird behutsam von 40 % auf bis zu 70 % deiner Bestzeit gesteigert.

Beispiel für eine Bestzeit von 60 Sekunden:

Runde CO2-Tabelle (Pause / Erholung) O2-Tabelle (Pause / Erholung)
1 30 s / 2:00 min 24 s / 2:00 min
2 30 s / 1:45 min 30 s / 2:00 min
3 30 s / 1:30 min 36 s / 2:00 min
4 30 s / 1:15 min 42 s / 2:00 min

Dein Wochenplan

  • Woche 1: Bestzeit messen, an zwei Tagen je eine CO2-Tabelle.
  • Woche 2: An vier Tagen üben, abwechselnd CO2- und O2-Tabelle.
  • Woche 3: Am Ende Bestzeit neu messen und Tabellen anpassen.

Eine Tabelle pro Tag reicht völlig. Fühlst du dich schwindelig, gehst du am nächsten Übungstag einen Schritt zurück.

Erlebe den Unterschied

Auf dem Papier sehen diese Tabellen schlicht aus. Wie sich die zweite Phase anfühlt und wie viel innere Ruhe trotz des Lufthungers möglich ist, begreift man erst in der Praxis.

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Dieser Artikel ordnet allgemein verfügbares Wissen ein und ersetzt keine individuelle ärztliche oder therapeutische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder vor Beginn einer neuen Atempraxis sprich im Zweifel mit deinem Arzt/deiner Ärztin oder deinem Therapeuten/deiner Therapeutin.

Quellen

Lindholm, P. und Lundgren, C. E. G. (2009): The physiology and pathophysiology of human breath-hold diving, Journal of Applied Physiology 106(1):284 bis 292.

Häufige Fragen

Wie kann ich länger die Luft anhalten?

Indem du lernst, ruhig zu bleiben, wenn der Drang zum Einatmen kommt. Das übst du mit kurzen Runden: Du hältst mehrmals hintereinander die Luft an und machst dabei entweder die Pausen dazwischen nach und nach kürzer oder die Haltezeit nach und nach länger. Mit ein paar Minuten an mehreren Tagen der Woche wirst du meist schon nach wenigen Wochen merklich länger.

Ist das gefährlich?

Im Sitzen oder Liegen und mit ruhiger Atmung vor der Pause ist das für gesunde Erwachsene sehr sicher. Übe nie im Wasser, nie im Stehen und nie beim Autofahren, also nirgends, wo ein kurzer Schwindel gefährlich werden kann. Im Wasser kann man ohne Vorwarnung ohnmächtig werden.

Warum zuckt mein Zwerchfell?

Das ist ein Signal des Atemreizes (Kohlendioxid-Anstieg). Mit Übung lernst du, diese Kontraktionen ruhig zu beobachten.

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Nils Hammann

Über den Autor

Nils Hammann

Breathwork-Coach aus Bielefeld. Zeigt dir, wie du mit kraftvollen Atemrunden und langen Atempausen in deinem Tempo übst.

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