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Deine erste Atemreise: Die wichtigsten Fragen zu Breathwork und zirkulärem Atmen

Tiefe

Deine erste Atemreise: Die wichtigsten Fragen zu Breathwork und zirkulärem Atmen

Nils Hammann· 13. April 2026· 6 Min.

Du hast von transformativer Atemarbeit gehört, bist neugierig geworden und spürst gleichzeitig vielleicht einen gewissen Respekt vor der Erfahrung. Das ist eine absolut gesunde und natürliche Reaktion.

Bevor wir uns auf etwas Neues einlassen, möchte unser Verstand gerne wissen, was genau passieren wird und ob wir dort sicher sind. Gerade bei Methoden, die uns tief in unser Unterbewusstsein führen, tauchen viele Fragen auf.

Damit du dich mit einem guten Gefühl auf deine erste Session einlassen kannst, räumen wir hier mit den häufigsten Unsicherheiten auf und schauen uns an, was biologisch und emotional während einer Breathwork-Reise passiert.

Was genau ist eine transformative Atemreise?

Eine Atemreise (oft auch Conscious Connected Breathwork genannt) ist eine intensive Selbsterfahrung. Im Gegensatz zu beruhigenden Atemübungen im Alltag nutzen wir hier das zirkuläre Atmen. Das bedeutet, du atmest aktiv und tief ohne Pausen zwischen der Einatmung und der Ausatmung. Es entsteht ein fließender Atemkreis.

Durch dieses bewusste Überatmen veränderst du deine Gehirnwellen. Der präfrontale Kortex (der Teil deines Gehirns, der ständig analysiert und kontrolliert) wird vorübergehend leiser. Das ermöglicht es deinem System, blockierte Emotionen, tiefe Einsichten und alte Spannungen an die Oberfläche zu bringen, die im Alltag vom Verstand unterdrückt werden.

Krämpfe und Kribbeln: Sind diese körperlichen Sensationen normal?

Eine der häufigsten Überraschungen bei der ersten Atemreise sind intensive körperliche Empfindungen. Viele Menschen spüren ein starkes Kribbeln im ganzen Körper, plötzliche Hitzewellen oder ein Kältegefühl.

Manchmal kommt es auch zur sogenannten Tetanie. Dabei verkrampfen sich die Hände leicht zu "Pfötchen" oder der Mundraum zieht sich zusammen.

Das fühlt sich im ersten Moment vielleicht ungewohnt an, ist aber biologisch völlig harmlos. Durch das schnelle Atmen sinkt der Kohlendioxidgehalt (CO2) in deinem Blut kurzfristig stark ab. Dadurch verändert sich der pH-Wert, und das Kalzium im Blut bindet sich anders, was zu diesen leichten Muskelkontraktionen führt. Sobald du deinen Atem wieder verlangsamst und normal durch die Nase atmest, verschwinden diese Symptome innerhalb weniger Minuten komplett.

Die Angst vor dem Kontrollverlust: Was, wenn es mir zu viel wird?

Viele Menschen fürchten, bei einer Atemreise in Zustände abzugleiten, aus denen sie nicht mehr herausfinden. Diese Sorge darfst du loslassen.

Du bist in einer Atemsession niemals willenlos ausgeliefert. Du hast das Steuerbuch buchstäblich in dir: deinen Atem. Wenn dir die körperlichen Empfindungen oder aufkommenden Emotionen (wie im Artikel über Zittern und Weinen beim Atmen beschrieben) zu intensiv werden, kannst du den Prozess jederzeit selbst regulieren.

Du brichst einfach den zirkulären Atemkreislauf ab. Du atmest sanft durch die Nase ein und aus, öffnest deine Augen und orientierst dich im Raum. Allein diese kleine Änderung holt dich sofort in das Hier und Jetzt zurück. Du bestimmst das Tempo selbst und kannst jederzeit zurücknehmen.

Kontraindikationen: Für wen ist zirkuläres Atmen nicht geeignet?

Transformative Atemarbeit ist ein starkes Werkzeug und bedeutet für den Organismus kurzzeitigen, intensiven Stress (Eustress). Deshalb gibt es klare Kontraindikationen, bei denen auf zirkuläres Atmen verzichtet werden muss.

Dazu gehören vor allem:

  • Schwangerschaft
  • Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen und extrem hoher Blutdruck
  • Epilepsie
  • Akute Psychosen oder bipolare Störungen
  • Kürzlich durchgeführte Operationen oder schwere Verletzungen
  • Schlaganfall oder Hirnblutung in der Vergangenheit, eine Verengung der Halsschlagader oder ein Aneurysma
  • Einnahme von Blutverdünnern oder Gerinnungshemmern
  • Netzhautablösung oder Glaukom
  • Schweres Asthma oder COPD
  • Schwere Osteoporose
  • Diabetes
  • ME/CFS, Long Covid, Post Covid oder eine andere Fatigue-Erkrankung
  • Stationäre psychiatrische Behandlung oder eine akute seelische Krise in den letzten 10 Jahren
  • PTBS mit aktuell starken Symptomen
  • Panikstörung oder Angsterkrankungen
  • Jede andere Erkrankung oder Medikation, die deine Atmung, deinen Kreislauf, dein Bewusstsein oder deine Belastbarkeit beeinflusst

Wenn einer dieser Punkte auf dich zutrifft, bedeutet das nicht, dass du gar nicht atmen darfst. Sanfte Methoden zur Regulation deines Nervensystems (siehe Sympathikus und Parasympathikus) sind meistens trotzdem wunderbar geeignet. Sprich im Zweifel immer zuerst mit deinem Arzt oder Therapeuten.

Die vollständige Liste, die vor jeder Buchung abgefragt wird, steht unter Kontraindikationen. Für eine begleitete Atemreise gilt außerdem ein Mindestalter von 18 Jahren.

Theorie ist gut. Erleben ist besser.

Du kannst hunderte Bücher über das Atmen lesen. Am Ende wird dir dein eigener Körper in einer einzigen Session mehr über dich erzählen als jede geschriebene Zeile. Die Magie entsteht erst, wenn du dich sicher genug fühlst, loszulassen und der Intelligenz deines Körpers zu vertrauen.

Deine Fragen sind beantwortet, der Rest passiert im Körper. Die nächste Atemwunder Reise Online dauert neunzig Minuten und du atmest von zu Hause aus mit.

Dieser Artikel ordnet allgemein verfügbares Wissen ein und ersetzt keine individuelle ärztliche oder therapeutische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder vor Beginn einer neuen Atempraxis sprich im Zweifel mit deinem Arzt/deiner Ärztin oder deinem Therapeuten/deiner Therapeutin.

Quellen

Grof, S. (2010): Holotropic Breathwork: A New Approach to Self-Exploration and Therapy, SUNY Press.

Bahi, C. et al. (2024): Effects of conscious connected breathing on cortical brain activity, mood and state of consciousness in healthy adults, Current Psychology 43:10578 bis 10589.

Häufige Fragen

Was soll ich zu einer Atemreise anziehen?

Trage bequeme, weite Kleidung, in der du dich gut bewegen kannst und die dich am Bauch nicht einschnürt. Schichten bewähren sich am besten, da dir während der Session sehr heiß oder auch sehr kalt werden kann.

Darf ich vor der Session essen?

Es ist empfehlenswert, etwa zwei Stunden vor der Atemreise keine schweren Mahlzeiten mehr zu essen. Ein zu voller Magen blockiert die freie Bewegung deines Zwerchfells und kann die Atmung unangenehm machen. Ein kleiner, leichter Snack ist jedoch kein Problem.

Wie lange dauert eine typische Atemreise?

Eine komplette Session dauert meistens zwischen 60 und 90 Minuten. Der aktive Teil des zirkulären Atmens nimmt dabei oft etwa 30 bis 45 Minuten ein. Den Rest der Zeit nutzen wir für das Ankommen, die Vorbereitung und vor allem für die extrem wichtige Ruhe- und Integrationsphase am Ende.

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Nils Hammann

Über den Autor

Nils Hammann

Breathwork-Coach aus Bielefeld. Begleitet Menschen behutsam durch tiefere Atemreisen und intensivere Prozesse.

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Theorie ist gut. Erleben ist besser.

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